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Familienwochenende in Otzing
„Pubertät und Trotzalter – wenn Eltern anfangen, schwierig zu werden“

„Pubertät und Trotzalter – wenn Eltern anfangen, schwierig zu werden“

Am vergangenen Wochenende besuchten 10 Familien aus dem Raum Brennberg das Katholische Evangelisationszentrum St. Petrus in Otzing. Das Thema „Pubertät“ bzw. „Trotzalter“ bedeutet Grenzen ausloten und einfordern. Dieses Thema beschäftigte und verband zugleich einen Großteil der anwesenden Familien.
Mit Frau Altweck-Glöbl konnte eine versierte und zugleich verständnisvolle Referentin gewonnen werden. Durch die Erziehung ihrer mittlerweile erwachsenen Kinder konnte sie sowohl praktische Tips als auch neueste Kenntnisse humorvoll vermitteln.
Im Heranreifen junger Menschen sieht Frau Altweck-Glöbl keinen Grund zu verzweifeln. Diese Krisenzeit ist die Vorbereitung zum Abschied der Kindheit. Kinder können dahingehend unterstützt werden, indem man Grenzen und Regeln festsetzt und auch einfordert. „Stellen Sie sich diese Grenzen als Wand vor, an die die Kinder auch mal kräftig klopfen, um zu testen, wie stabil diese wohl ist.“ Das Klopfen oder Treten an diese imaginäre Wand der Regeln fordert die Eltern als auch Geschwister in besonderem Maße. „Sie als Eltern müssen lernen, sich vom klassischen Bild der trauten Familie zu verabschieden und beginnen, als Paar wieder aktiv zu werden.“ Notwendig sind auch ausgelebte Konflikte, deshalb sollten Eltern dem Streit nicht ausweichen. „Es gibt nichts Schlimmeres für die Kinder, als wenn es heißt „Mach doch, was du willst“. Auch wenn das Reden schwierig wird, bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Kind, das ist sehr wichtig!“
„Versuchen Sie bloß nicht, es Ihrem Pubertierenden immer recht zu machen. Das ist schlichtweg unmöglich“, sagte Altweck-Glöbl weiter, die für eine „liebende Streitkultur“ ohne unangemessene Strafen plädiert, da Streit zur Ablösung erforderlich ist. Übertriebene Toleranz und lasche Regeln böten keine Grundlage für Reibung, mit der Konsequenz, dass die Ideen und Bemühungen anzuecken mannigfaltiger werden. Altweck-Glöbl warnte jedoch vor übertriebener Bevormundung, die im Hinterherspionieren mündet. Das schaffe Misstrauen.
Wenngleich ein Pubertierender so dünnhäutig und verletzlich wird wie ein Hummer, der während des Wachsens seinen Panzer abwirft, teilt er in seiner geistigseelischen Entwicklungsphase mitunter ganz schön aus. Wobei die gestreßten Eltern dabei auf die Körpersprache Ihrer Kinder achten sollten, die oft das Gegenteil des Gesagten ausdrückt. „Nehmen Sie Angriffe niemals persönlich und reagieren Sie nicht beleidigt. Auch müssen Sie sich nicht aufopfern, und vor allen Dingen bleiben Sie konsequent.“
Die Referentin sieht in der Pubertät aber auch eine Zeit, wo sich Talente herauskristallisieren. Hier haben Eltern die Aufgabe, die Kinder zur Selbständigkeit zu ermutigen. Frau Altweck-Glöbl mißt dem Verhalten der Eltern als Vorbild eine große Bedeutung bei, ohne die Gruppe der Gleichaltrigen zu unterschätzen. „Einen respektvollen Umgang der Eltern miteinander und vorgelebte Verhaltensmuster im Zurechtkommen mit Stresssituationen werden die Kinder kopieren“, wußte sie. Auch riet die Sozialpädagogin zur Sensibilität bei schwierigen Themen wie Sexualität und dem Vermitteln des Gefühls der Solidarität innerhalb der Familie.
Zum Schluss verteilte die Referentin an die Eltern als auch an die Kinder einen unvollendeten Brief, der mit den Worten begann „Was ich an Dir schätze…….“
Alle Eltern schrieben ihren Kindern einen ganz persönlichen Brief, und umgekehrt. Mit vielen Emotionen und Eindrücken klang das Wochenende aus. Geblieben ist ein einfacher, aber elementarer Satz von Frau Altweck-Glöbl: „Achte und schätze das Gute an Deinem Kind!“

Veröffentlicht: 24.03.2010 Stephanie Bast